Die Hünengräber im Haldensleber Forst
Juni 20, 2010 in Sehenswertes von Christian Bosse
Anfahrt-Karte findet ihr am Ende dieses Artikels.

Die Küchentannen (bei Haldensleben
Ich bin immer wieder überrascht was sich für Kostbarkeiten in unserer Region verbergen. Oder habt ihr gewußt, dass es nirgendwo in Mitteleuropa eine dichtere Konzentration von Großsteingräbern (auch Hünengräber) gibt als in den Wäldern um Haldensleben?
Also rein ins Auto und der Sache auf den Grund gegangen.
Bis nach Haldensleben ist es von mir aus nicht weit. Wir sind schnell am besagten Waldgebiet angekommen in dem man heute noch 84 erhaltende Großsteingräber finden kann. Weitere 44 zerstörte Anlagen sind da noch nachweißbar (waren wohl fleißige Bauleute damals…
). Im Haldensleber-Forst lohnt sich der Besuch von 3 sehr gut erhaltene Hünengräbern. Das sind die Küchentannen, das Kaisergrab und die Teufelsküche.
Ach übrigens ist es garnicht erwiesen und heute sogar umstritten, dass es sich bei solchen Anlagen um Grabanlagen handelt. Deshalb sprechen Fachleute von Megalith-Anlagen (Megalith aus dem Altgriechischen: megas = groß, lith = Stein). Heute geht man eher von soetwas wie Kultstätten aus. Der volkstümliche Begriff „Hünengrab” bezeichnet solche Megalithanlagen (auch Großsteingräber). Die Anlagen wurden in der Jungsteinzeit (zwischen 3500 bis 2800 v. Chr.) aus Findlingen errichtet. Findlinge sind große Steine die durch Eismassen der Eiszeit in ihre heutige Lage „geschoben” wurden.
Die erste Anlage die wir uns angeschauen sind die Küchentannen. Die Küchentannen sind schon was besonderes. Die Anlage wurde nämlich von Fachleuten freigelegt, gesichert und so hergerichtet, dass man sie erkunden kann ohne das ihr Angst haben müsst, dass euch große Steine auf den Kopf fallen.
Sehr schön könnt ihr an den Küchentannen den schematischen Aufbau eines Hünengrabes erkennen. Es gibt da verschiedene Bautypen. Den Bautyp den man bei uns häufig antrifft ist das Ganggarb das von einem Hünenbett umgeben ist. Die Hünengräber sind in einer Ost-West-Ausrichtung erbaut wurden. In Richtung Süden befindet sich der Zugang zur Anlage (wir haben das überprüft…
).
Das Gang-Grab besteht aus einem Gang der aus aufrecht stehenden großen Steinen gestellt wurde. Dieser Gang wurde dann mit Steinplatten abgedeckt. Das Hünen-Bett ist eine Einfassung des Gang-Grabes. Auch dies besteht aus großen, aufrecht stehenden Steinen.
Der Begriff „Hünengrab” stammt vom altdeutschen Begriff „Hüne” für Riese. Bei der Größe mancher Steinbrocken drängt sich wirklich der Eindruck auf, dass es sich um Gräber von Riesen handeln muss. Das solche riesigen Findlinge auch nur von Riesen bewegt werden konnten, stand in alten Zeiten natürlich fest.
Zum Abschluss wurde über dem Gang-Grab ein Erdhügel errichtet.
Da man sich lange Zeit nicht erklären konnte wie frühere Menschen ohne technische Hilfsmittel solche Steinkolosse bewegen konnten, hielt man die Megalith-Anlagen für „Teufelswerk”. Deshalb wurde das Gang-Grab, welches mit einem Erdhügel bedeckt war, oft freigelegt und zerstört. Die Steine wurden als Baumaterialien genutzt.
Viele Kirchen in unserer Gegend stehen auf Fundamenten die aus den Findlingen von Hünen-Gräbern bestehen.
Hünen-Gräber gibt es von Süd-Skandinavien über die Norddeutsche Tiefebene, von der Weichsel bis in die östlichen Niederlande. Meist findet man die Megalith-Anlagen nur noch als verstreut liegende Steinhaufen. Im Haldensleber-Forst können 3 sehr gut erhaltende Megalith-Anlagen besichtigt werden.
Eine weitere schöne Anlage ist das Kaisergrab.
Das Kaisergrab ist nur wenige hundert Meter von den Küchentannen entfernt. Auf diesem Bild erkennt man sehr schön den Eingangsbereich zur Anlage. Der Zugang ist auch hier nach Süden ausgerichtet. Da die Anlage nicht wie die Küchentannen hergerichtet wurde, ist das Ganggrab leider nicht mehr zu betreten.
(Die Teufelsküche Bilder und Beschreibung der “Teufelsküche” folgt…)
So, zum Abschluss noch eine Karte. Ihr müsst euch ja auch hinfinden. Bei Fragen, Anregungen oder wenn es was zum Meckern gint benutzt einfach den Kommentarbereich unter dem Artikel.
Megalithanlagen Haldensleben auf einer größeren Karte anzeigen




